Skitour im Sarek Nationalpark

Tag 6 - Der Traum von Riesenelchen

Die Nacht bleibt das erste Mal auf unserer Tour ganz ruhig, es ist nichts zu hören, kein Wind und auch kein Schnee, der auf das Zelt rieselt, einfach nur Stille und sehr angenehm nach den letzten stürmischeren Tagen.
Am Morgen stehen wir auf, steigen zunächst erstmal aus dem Zelt, um uns die Beine zu vertreten. Es ist ruhig, wolkig, aber die Sonne guckt auch ab und zu durch die Wolken. Wir sind zuversichtlich, dass wir einen dauerhaften Wetterumschwung hin zu sonnigerem Winterwetter bekommen werden.

Wie eigentlich immer, haben wir auch am Morgen Hunger. Bevor wir Schnee schmelzen, und auch währenddessen, essen wir fleißig alles was wir zwischen die Finger bekommen, in meinem Falle vorzugsweise Kuchen und Kekse. Man darf ohne Reue essen, so viel man mag und so lange die Vorräte etwas hergeben. Ich bin froh, wenn sich das Gewicht der Pulka etwas reduziert. Den Kalorienbedarf schätze ich zwischen 6000 und 8000 Kalorien am Tag. Morgens trinken wir reichlich, das ist angenehmer als abends, weil es dann zu unangenehmen Situationen in der Nacht kommen kann.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen in die Pulka und bauen zum Schluss das Zelt ab, vergewissern uns, dass wir nichts liegen gelassen haben und gehen dann los. Es ist ein herrlicher, ruhiger Morgen. Wir gehen über einen zugefrorenen See und eine Tiefebene, die im Sommer vermutlich ein Sumpfgebiet ist. Hier unten war es in der Nacht nebelig, weshalb die locker stehenden Birken bereift oder mit dünnem Eis überzogen sind. Durch die Sarektäler ziehen weiterhin dunkle Wolken. Wir suchen uns einen Weg über möglichst offenes Gelände, weil dort der Schnee weniger locker und tief liegt, als in dichter bewachsenem Birkenwald. Plötzlich sieht Harald einen Elch …

Wir haben uns immer gewünscht, dass wir einen Elch sehen werden und zwar nicht irgendeinen, sondern einen richtig großen Elch, so wie man sich einen Elch eben vorstellt, mit riesigem Geweih. Dieser Elch, den wir da gerade sehen, ist zumindest schon mal ganz schön groß, aber das Geweih fehlt, was zu dieser Jahreszeit vermutlich ganz normal ist. Wer hat schon Lust im Winter so ein Riesengerät mit sich umher zu tragen, da legt elch es halt ab. Elche sind nicht dumm, wie etwa Touristen, die unwahrscheinlich schwere Pulken hinter sich her ziehen…

Es gibt ein weiteres Problem, unser Elch ohne Geweih steht hinter einer Birke. Wir müssen uns heranschleichen, versuchen geschickter zu sein als der Elch, uns so zu positionieren, dass diese Birke unseren Elch nicht mehr durchkreuzt. Unser birkendurchkreuzter Problemelch wird immer birkendurchkreuzt bleiben, wir haben keine Chance, der Elch ist schlauer als wir, das müssen wir ihm anerkennen. Trotzdem freuen wir uns, diesen Elch gesehen zu haben, eine schöne Erinnerung ist er alle Male.

Weil das Wetter immer besser wird, sind wir ziemlich vergnügt, gleich geht es wieder über den uns schon bekannten Kutjaure. Es ist schon gar nicht mehr weit, da sehen wir die nächsten beiden Elche, diesmal eine Elchkuh mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter. Wir vermögen das nicht genau zu sagen, weil wir keine Elchexperten sind. Die beiden stehen an einem gegenüber liegenden Hang, zwischen uns liegt ein Tal. Sie stehen frei zwischen zwei Birkengruppen. Ok, diesmal werden wir in der Angelegenheit "Elch fotografieren" deutlich professioneller vorgehen. Die Pulken schnallen wir ab, wir wollen beweglich sein. Wir kommen auf die Idee, uns den Tieren ganz professionell, wie ein Bär z. B., anzuschleichen, nämlich durch das kleine Tälchen hindurch auf die nächste Kuppe. Wir machen das, wir pirschen uns durch das Tälchen auf die nächste Kuppe - klick! Wie Ihr auf einem der Bilder sehen könnt, ist das Bild natürlich immer noch schlecht, ich schiebe das ganz einfach auf mein schlechtes Objektiv. Für uns ist es dennoch ein schönes Anschleichergebnis wie Erlebnis überhaupt.

Weiter gehen wir nicht, die beiden sollen keine unnötige Angst bekommen, im Winter würde ihnen eine Flucht sehr viel Kraft und wertvolle Energie kosten. Wir laufen hinunter zum Kutjaure und gelangen nach der Seeüberquerung auf den markierten Winterwanderwag Richtung Akkajaure. Dort fahren täglich ein paar Schneescouter, Samen, die zu ihren Häusern oder kleinen Siedlungen fahren oder von dort zurückkommen. Da es windstill ist, ist die Spur nicht verweht, und wir kommen schnell Richtung Akkajaure voran …