Skitour im Sarek Nationalpark

Tag 5 - Honigkuchenpferde am Niják

In der Nacht schneit es kräftig weiter, wir hören wie der Wind den Schnee gegen das Zelt weht. Am Morgen ist es recht dunkel im Zelt, was bedeutet, dass ziemlich viel Neuschnee auf dem Zelt liegt. Wir gehen vor die Tür, befreien uns zunächst einmal von der gröbsten Schneelast, frühstücken darauf und sind doch ein wenig bedröppelt, dass das Wetter uns keine Chance auf ein wenig Aussicht auf die Berge geben mag. Man kann gerade mal das Zelt sehen, sonst ist alles weiß, Schnee, Nebel und Wolken gehen nahtlos ineinander über, dazu weht wieder ein kräftiger Wind.

Heute gehen wir zunächst nordwärts durch das Ruohtesvágge. Zuweilen scheint die Sonne andeutungsweise durch die dichte Wolkendecke, wir geben schon nichts mehr darauf, ganz sicher kommt gleich die nächste Schneeladung vom Himmel. Ein wenig Zickzackgehen ist heute die Devise, immer auf der Suche nach schon vom Wind verfestigter Schneeoberfläche. Nachdem wir etwa ein bis zwei Stunden unterwegs sind zeigen sich Wolkenlöcher, die schnell größer werden. Wir merken sofort, die Art der Aufheiterung ist anders als die bisherigen, das könnte was werden. Am Fuße des Berges Nijáks machen wir eine kleine Pause, der Wind weht uns heftig um die Ohren, gleichzeitig aber treibt er die Wolken auseinander.

Uns bieten sich unglaubliche Szenen der Wolkenauflösung, kaum zu beschreiben und gar nicht richtig im Bild fest zu halten. Wir gehen weiter oberhalb des Flusses Sjnjuvtjudisjåhkå (bitte an dieser Stelle den Namen des Flusses ganz schnell 10 Mal hintereinander aufsagen…), der Wind weht uns für einige Kilometer kräftigst entgegen. Äußerlich schneiden wir Grimassen, um das Gesicht einigermaßen warm zu halten, innerlich grinsen wir breit wie Honigkuchenpferde…es ist einfach nur grandios, wir sind verdammt guter Dinge, ich kann es nicht beschreiben, muss man erlebt haben! Wie schon gesagt, wir fühlen uns wie die Honigkuchenpferde, eingemümmelt unter unseren Kapuzen, immer wieder erfasst von starken Windböen, grinsen wir von einem Ohr zum anderen. Schon oft im winterlichen Fjäll unterwegs gewesen, haben wir so etwas dennoch noch nicht in dieser Form erlebt, der Schnee fegt in atemberaubender Geschwindigkeit entlang des Gisuris-Berges. Da wir auf der Nordseite unterwegs sind, bewegen wir uns im Schatten. Trotzdem genießen wir die Sonne, die größer werdenden Wolkenlücken, das einmalige Schauspiel, welches uns die schnell um die Berge ziehenden Wolkenformationen und die über das Fjäll jagende Schneedrift bieten.

Die Lichtverhältnisse ändern sich ständig, die blaue Stunde währt hier bestimmt drei Stunden, die Berge und die Wolken sind erst in gelb, dann in rot getaucht. Sobald die Sonne untergegangen ist, denken wir, dass es vorbei ist… schon sind Himmel und Erde in zartrosa gehüllt, der Schnee wirbelt weiter um die Felsbrocken und die dichter werdende Vegetation, wir können uns kaum satt sehen.

Wir sind unterwegs zurück zum Kutjaure, haben das Gisuris-Massiv umrundet, am Abend erreichen wir die Baumgrenze, fahren wie durch Sahne in ein tiefer gelegenes Birkenwäldchen. Hier wird uns erst richtig bewusst wie viel es geschneit hat. Nur ein paar Höhenmeter tiefer gelegen, regt sich im Birkenwald kein Lüftchen mehr, der Schnee bleibt liegen, wo er hingefallen ist. Sobald man die Ski abschnallt, bricht man stellenweise hüfthoch in den Schnee ein.
Wir bauen das Zelt auf, es ist so windstill, dass wir eine Weile vor dem Zelt sitzen bleiben können, Schnee schmelzen und Tee kochen können… die letzten Wolken ziehen um das Ahkka Bergmassiv. Schon bald liegen wir in den Schlafsäcken und schlafen zufrieden ein …