Skitour im Sarek Nationalpark

Tag 3 - Der mitternächtliche Wetterexpress

Der Wind lässt am nächsten Tag spürbar nach, unser Glück, denn er kommt direkt von vorn, nur in immer wieder über die Berge ziehenden Schneeschauerböen nimmt er wieder zu. Meist sind nur die Konturen der Berge zu erkennen, so dass zumindest eine Orientierung ohne Kompass allein mit der Fjällkarte möglich ist. Wir machen uns Mut, erkennen in jedem kleinen Wolkenloch einen ersehnten Wetterwechsel zu klaren, kalten und sonnigen Winterwetter. Kaum druchbricht ein Sonnenstrahl die dichte Wolken- und Nebeldecke, verfinstert sich der Himmel auch schon wieder und dichtes Schneetreiben setzt ein. Wir folgen in etwa der Linie des Miellädno (ein Fluss), der genau auf der Grenze von Padjelanta- und dem Sareknationalpark verläuft. Schnee und Eis haben aber alles verschluckt, von dem Fluss ist nichts zu sehen. Bald passieren wir ein Samenlager, welches jetzt im Winter verlassen ist. Es ist schon später Nachmittag, wir gehen in eine weiße Landschaft, alles wird eins, bis wir schließlich kaum noch unsere eigenen Skispitzen sehen. Es hat keinen Zweck mehr für heute weiter zu gehen. Wir finden einen großen Felsbrocken, es wird stürmisch… im Windschatten des Felsens heben wir eine etwa 70 bis 80cm tiefe Fläche in der Größe unseres Zeltes aus und werfen mit dem Aushub gleichzeitig einen Schutzwall auf. So kann in der Nacht kommen was wolle, es wird einfach über unser Zelt hinwegziehen. Plötzlich treibt der Wind die Wolken über uns für einige Minuten auseinander, Zeit um an diesem Tag das einzig halbwegs brauchbare Foto zu knipsen. Schon bald wieder verschwindet jegliche Sicht, der nächste heftige Schneeschauer fegt über die Sarekberge …

Wir haben unser Zelt so windgeschützt als möglich aufgebaut und alle Sachen, die wir im Zelt benötigen, eingeräumt. Die Skier, die Stöcke… stellen wir aufrecht in den Schnee, benutzen sie zur Verankerung des Zelts oder legen sie ins Pulkagestänge. Wenn man sie einfach irgendwo hinlegt, findet man sie eventuell nie wieder, der Schnee und die Schneedrift lässt manches verschwinden und das innerhalb kürzester Zeit. Manche Dinge können einfach in der Pulka liegen bleiben, u. a. der Fotoapparat. Solange man in Bewegung ist, ist es nicht kalt, erst wenn wir zur Ruhe kommen, fangen wir an zu frösteln. Also schnell etwas Wärmeres angezogen, die Isomatten ausgebreitet und die Schlafsäcke ausgepackt. Wir sind müde und etwas erschöpft vom Tag.

Beim zusammen Bauen des Kochers werden die Finger kalt. Zunächst muss der Benzinkocher vorglühen, bis er schließlich mit blauer Flamme auf voller Stärke glühend Gas macht. Es wird Tee geben, mit Zuckerpille und Milchpulver, wir haben Durst und der Magen knurrt. Wasser liegt in Form von Schnee überall herum, es gilt reichlich Schnee im Kochtopf zu schmelzen, um aus dem Schmelzwasser dann Tee zu kochen. Der Tee schmeckt wie verrückt, genauso wie der selbstgebackene Kuchen, von dem wir reichlich dabei haben. Dann dösen wir etwas, wer noch dazu in der Lage ist, liest etwas… Nach etwa ein bis zwei Stunden bekommen wir wieder Hunger. Heute gibt es Spaghetti mit Trockentomatensuppe nach Gärtnerinnen Art aus dem Supermarkt. Wenn der Kocher brennt- es muss erst wieder Schnee geschmolzen werden-, und die Stumpenkerzen ihr orangenes Licht verbreiten, ist es richtig mollig warm im Zelt! Es schmeckt köstlich - fast alles schmeckt köstlich, wenn man nur genug Hunger hat! Was würden wir nur für einen Joghurt als Nachtisch geben, der könnte ruhig ein paar Tage abgelaufen sein, das wäre uns ganz egal, er müsste immer noch aufpassen, dass wir ihn nicht samt Plastikbesser aufessen.

Dann schlafen wir ein, träumen - auch von Nordlichtern. Hier hinter unserem Stein brauchen wir keine Angst zu haben, das Zelt ist unverrückbar fest in der Schneemauer verankert, das Expresswetter zieht einfach über uns hinweg. In der Nacht gehen wir einmal vor die Tür, um nach dem Rechten zu sehen… es ist viel Schnee unterwegs, waagerecht! Damit das Zelt nicht irgendwann vom Schnee erdrückt wird, schaufeln wir es etwas frei. Die Nacht ist fantastisch, es schneit, es stürmt, trotzdem ist zeitweise klarer Sternenhimmel zu sehen…, die Wolken sind im Eilzugtempo unterwegs, es reisst auf und verfinstert sich wieder - das Naturerlebnis könnte man als INTENSIV umschreiben ...