Skitour im Sarek Nationalpark

Tag 1 - in die Wildnis

Das Wetter in Ritsem gibt sich nach wie vor sehr trübe, wir packen unsere Pulken, um jetzt endlich Richtung Stora Sjöfallet-, Padjelanta- und Sarek- Nationalpark aufzubrechen. Wir haben gerade den Parkplatz verlassen - da haben sich bereits die ersten beiden Blasen etabliert, an jeder Hacke eine. Aber ich bin ja grundsätzlich optimistisch, beginne mich also über die Blasen zu freuen. Wir werden nicht sehr schnell vorankommen und viel mehr Zeit haben die Landschaft zu genießen. Außerdem wird mein Reisebericht viel dramatischer ausfallen können, ganz ohne Flunkerei, und so schön gleichmäßig verteilt sind sie - ein Urlaub ohne zünftige Blasen, das ist doch nichts.

Was ist eine Pulka

Auf einigen Bildern sieht man es sofort, und ich sage es lieber gleich - meine Pulka war völlig überladen. Unter einer Pulka versteht man einen Lastenschlitten, eine Art umgedrehte Autodachkiste, die man hinter sich herzieht. Sein Gepäck auf diese Art und Weise zu transportieren ist wesentlich einfacher als das Gepäck auf dem Rücken zu tragen. Natürlich ist es immer noch anstrengend, aber man kann erstaunlich hohe Lasten verhältnismäßig leicht transportieren. Während man auf einer sommerlichen Wanderung die Lebensmittel, die einen Großteil des Gewichts ausmachen, schon mal etwas rationieren muß, habe ich das für diese Tour nicht eingesehen. So gab es leckere Dinge und davon reichlich. Nach einem anstrengenden Tag Kuchen und Kekse nach Lust und Laune zu essen dazu ein Teechen aus Schneeschmelze mit Zuckerpille und Milchpulver, das ist Hochgenuss. Wenn es dann noch Nordlichter zu sehen gäbe …


Der Fotografierkrams hat ebenfalls einiges Gewicht und Volumen ausgemacht. Sonst wichtig dabeizuhaben, natürlich ein Zelt, Isomatte und Schlafsäcke, Kleidung für verschiedene Temperaturbereiche und ganz wichtig eine stabile Schneeschaufel mit Metallblatt …

Bevor wir losgegangen sind, haben wir uns noch mal bei Einheimischen vergewissert, dass das Eis auf dem Akkajaure auch dick genug ist, denn in Ritsem gibt es an einem Einfluss aus einem oberhalb gelegenen See (Stromerzeugung…) eine offene Stelle. Uns ist leicht unheimlich. Das Eis sei aber dick genug, 60cm an der dünnsten Stelle, der Isleden, der Weg über den See, ist markiert.

Der Akkajaure ist ein Stausee. Am Ufer des Akkajaure sieht man lauter Eisbrüche, wunderschön anzusehen in glitzerndem Blau. Im Winter nimmt der Wasserpegel zur Stromerzeugung anscheinend um viele Meter ab. Als wir dort waren, betrug die Eisdicke mindestens 60cm. Wenn das Wasser im Winter nach und nach abgelassen wird, sinkt die Eisdecke nach unten. Dicke Felsbrocken, die im Sommer weit unter der Wasseroberfläche liegen, wandern verhältnismäßig immer weiter nach oben, die Eisdecke wird von unten von den Felsen aufgebrochen. Ich habe so etwas noch nie gesehen, absolut faczinierend, jeder Eisbruch ein Kunstwerk, vor allem wenn die Sonne in das klare blaue Eis scheint.

Der Isleden ist 12 Kilometer lang, auf dem See sind wir an diesem Tag stürmischen Winden ausgesetzt…
Am Abend bauen wir das Zelt auf, wo genau wissen wir nicht, wir sind auf dem Weg zum Kutjaure, es ist einfach ziemlich duster, und der Schnee fällt locker weg vom verhangenen Himmel. Plötzlich fährt uns ein Schreck durch Mark und Bein, wir vernehmen ein dumpfes Pöck und ahnen schon das Schlimmste. Tatsächlich, eine der extra neu gekauften Zeltstangen ist gebrochen, und das eigentlich in einem völlig unpassenden Moment gleich am ersten Abend. Wir verfluchen diesen neumodischen Kram, Gott sei Dank haben wir noch eine der alten Gestängebögen als Ersatz mitgenommen …