Skitour Nikkaluokta - Abisko

Tag 5 - Skiwanderers Eldorado

Den Tag nach der Nordlichtnacht lasse ich ganz gemach angehen. Ich kann wieder Draußen frühstücken, die Sonne scheint, kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Kaum bin ich dann doch losgegangen, kommt mir jemand entgegen, ein Norweger wie sich schnell herausstellt. In etwa 5 Minuten erzählen wir unsere Lebensgeschichten, also jedenfalls jene, die heute für uns beide von Bedeutung ist, jeder hat zweieinhalb Minuten. Arndt kommt aus Otta in Norwegen. Otta liegt am Fuße des Rondanegebirges. Arndt hat schon das grönländische Inlandeis überquert, plant im Übrigen für den Winter 2010 eine Spitzbergendurchquerung. Ist ja schön, denke ich mir, Arndt hat einen guten Plan, dazu hätte ich wohl auch Lust. Wir besprechen die Ereignisse der letzten Nacht – war schön nicht wahr, das Nordlicht? Ja war schön!

Wir wollen weiter, Arndt will in den Tjäktjahütten Mittag essen, und ich habe heute schließlich auch erst 100m geschafft. Ich schlendere so dahin, soweit man denn mit Skiern schlendern kann. Heute weiß ich leider gar nicht, was ich zuerst fotografieren soll. Es ist überall soooo schön!

Das Wetter ist wunderbar, zwischen minus 10° und minus 5° etwa. Zusammen mit dem Sonnenschein kommt´s mir frühlingshaft vor - T-Shirt-Wetter. Bei den Alesjaurehütten ist was los, vier deutsche Leutchen stapfen dort durch den Schnee, mit mir sogar fünf – ein weiterer Plausch …
Ein viertel Stündchen später stapfe ich weiter Richtung Alisjávri (ein See), schlendere der Länge nach flach über den See und passiere schon bald Alesjaure sameviste (Bild), ein Samendorf welches am Südostende des Alisjávri liegt.

Der weitere Weg von Alesjaure führt über den Alisjávri (ein See) und ist holperig, aber dennoch leicht zu gehen. Über den See weht ein leichter Wind, der bei der untergehenden Sonne immer eisiger wird, und für eine stete, feine Schneedrift sorgt. Der Schnee fegt und wirbelt um kleine Schneewehen herum, es bilden sich neue, die Oberfläche wird ständig neu geformt und gleichzeitig doch vom Wind fest verpresst. Die Pulka poltert über die kleinen Wehen, stößt in den Rücken und zieht im nächsten Moment wieder leicht nach hinten weg. Konnte ich bei Sonnenschein noch ohne Jacke unterwegs sein, muß ich mir bald eine leichte Windjacke überziehen und auch ein zweites paar dünner aber winddichter Überhandschuhe. Nach der Überquerung des Alisjávri, geht es weiter über den Rádujávri und Miesakjávri (ebenfalls beides Seen), bis ich schließlich eine Landzunge erreiche, die freilich geanauso weiß und vor Schneewehen buckelig ist, wie die Seen selbst. Bei widrigem Wetter wäre der Platz nicht sehr empfehlenswert, da sehr ausgesetzt. Es ist aber nicht widrig, sondern sehr ruhig und so wird es laut Wetterbericht bleiben. So habe ich auf weiter Fläche zeltend eine prima Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Es wird unglaublich langsam dunkel. Auch wenn die Sonne schon längst hinter den Bergen verschwunden ist, ist es noch lange hell, die Landschaft wirkt irgendwie fahl mit einem leichten Rosahauch am Himmel. Gegen 19.00 Uhr wird es dann etwa dunkel, bis dann etwas später der Mond aufgeht, und es wieder heller wird.

Ich kann den aufgehenden Mond kaum erwarten, möchte in der Nacht wieder vor das Zelt gehen, vielleicht habe ich noch einmal Glück und kann ein weiteres Nordlicht beobachten. Irgendwann gegen 22.00 Uhr gehe ich vor die Tür, von Nordlichtern ist aber weit und breit nichts zu sehen, trotzdem möchte ich ein Nachtbild von dieser tollen Nacht machen, die Berge Adnjetjårro und Kieron im Hintergrund. Diesmal scheitert der Versuch jedoch. Man sieht ihn kaum, aber es liegt ganz feiner Nebel in der Luft, das Objektiv beschlägt sofort, die Bilder verschwimmen. Also mummele ich mich an diesem Abend recht schnell im warmen Schlafsack ein, schließlich hatte ich die letzte Nacht kaum geschlafen.