Skitour Nikkaluokta - Abisko

Tag 3 - Im Winterland

Der Tee schickt mich am nächsten Morgen recht früh vor die Tür. Mein Gemütszustand ändert sich schlagartig von nicht ganz so gut auf innerlich jubelnd. Es ist klar, ich habe mein Zelt in einer herrlich schönen Berglandschaft aufgebaut, die ersten Gipfel werden gerade zart von der aufgehenden Sonne beschienen. Obwohl es noch früh ist, und mein innerer Schweinehund kräftig rebelliert, beschließe ich noch vor dem Frühstück in eines der Seitentäler zu gehen.

Eigentlich wollte ich gar nicht weit gehen, nur ein kleines Stück, um einen freien Blick in das Guobirvággi (vággi = Tal) zu haben. Aus einigen Schritten werden immer mehr, links und rechts ragen die Gipfel steil aus dem Guobirvággi hervor. Die Sonne geht auf, nähert sich Stück für Stück dem Talboden. Es ist als stünde ich direkt im Sonnenaufgang. Mir wird es mit jedem Schritt wärmer, obwohl es nicht warm ist, ich habe noch meine Daunenjacke an. Irgendwann geht es nicht weiter bzw. es würde nur noch mit Kraxellei weitergehen. Ich gucke mir das Schauspiel einige Zeit an, bevor ich mit den Skiern zum Zeltplatz zurück abfahre.

An den ersten beiden Tagen meiner Skitour von Nikkaluokta nach Abisko bin ich recht gut vorwärts gekommen, jeweils über 20 Kilometer. Die Strecke ist mit roten Holzkreuzen markiert. Meist ist schon vor mir jemand auf der Route entlang gelaufen, was das Vorwärtskommen erleichtert, da man so in einer recht festen Spur laufen kann. Außerdem werden die Tage länger.

So ist keine besondere Eile geboten, ich habe mehr als ausreichend Zeit etwas zu gammeln und z. B. lange und ausgiebig zu frühstücken und einfach in die Gegend zu schauen. Als ich mich umdrehe, muss ich feststellen, dass in den nächsten Minuten der Nebel wieder alles einhüllen wird, er kommt in atemberaubender Geschwindigkeit von Süden her das Tal heraufgezogen.

Als ich das Lager abgebaut habe, sieht man schon nicht mehr weit. Kurz nachdem ich losgegangen bin, treffe ich ein schwedisches Pärchen, welches ebenfalls mit Skiern unterwegs ist. Schweden im Fjäll auf Skiern, das war zu meiner Zeit im Februar und März ungewöhnlich. Man trifft schon einige SkiwanderInnen, interessanter Weise viele Deutsche. Die Beiden haben das auch festgestellt und meinen, die Schweden seien in Thailand oder irgendwo anders im Südosten… Der Tag bleibt nebelig, aber die Sonne guckt immer mal wieder durch, so dass es insgesamt doch ein schöner Tag ist. Über die Bergstation Sälka geht es weiter nordwärts Richtung Tjäktjapass und mit etwas über 1100m üNN dem höchsten Punkt der Strecke. Es liegt wieder sehr viel Schnee. Teilweise ist es recht mühsam sich durch das lockere Pulver zu wühlen, ganz anders als auf dem Abschnitt von Nikkaluokta nach Singi, wo die Strecke hart und teilweise vereist war. Noch bevor es steil über den Tjäktjapass geht, schlage ich erneut mein Zelt auf.