Skitour Nikkaluokta - Abisko

Tag 1 - Abschied von Harald

Nikkaluokta enttäuscht uns nicht, schon auf der Herfahrt von Kiruna wurde es ständig kälter, von minus 14° in Kiruna bis auf minus 28° in Nikkaluokta. Jetzt am Morgen sind es minus 33,5°. Für einen echten Sibirier sind das ja immer noch Peanuts, die Luft ist genauso klar wie staubtrocken. Es ist zwar rasend kalt, aber doch nicht unangenehm, wenn überhaupt, dann für die Finger. Was uns besonders an diesem Morgen wieder auffällt ist, dass sich das Geräusch von Schnee, wenn man z. B. darüber geht, von Temperatur- zu Temperaturbereich dolle ändert. Jeder Schritt ergibt bei diesen tiefen Temperaturen einen geradezu Schrillen Laut.

In Nikkaluokta trennen sich Haralds und mein Weg. Während Harald mit seinem Wohnmobil weiter Richtung Norden und Tromsö fahren möchte, möchte ich mit dem Pulkamobil weiter durch die Berge nach Abisko gehen. Es kommt zu einer kleinen Umpackaktion. Die Dinge, die ich nicht brauchen werde, packen wir bei Harald ins Auto, und das große gelbe Zelt wird gegen ein kleines gelbes Zelt eingetauscht. Das größere Zelt wäre zwar auch für mich allein die bequemere Wahl und auch nicht viel schwerer, aber im Zweifel würde ich es im Sturm wohl nicht alleine aufbauen können.
Der Inhalt meiner Käxkiste hat sich mittlerweile ein wenig reduziert, weshalb ich einen 2 bis 3 Kilo schweren und mit viel Butter gebackenen Stollen ergänze. Es ist schon ein etwas merkwürdiges Gefühl, dass jetzt ein jeder von uns seiner eigenen Wege geht, aber das war von vornherein so geplant.

Ich hatte schon früher teilweise recht lange Touren allein unternommen, so dass ich wusste, dass mir das Alleinsein keine Probleme bereiten würde, trotzdem war der Abschied in Nikkaloukta erstmal komisch…
Die ersten Kilometer waren zur Eingewöhnung auf einsamere Zeiten recht belebt. Des Schweden liebstes Spielzeug ist der Schneescouter, und die Kebnekaise Fjällstation ist sicher einer der beliebtesten Ausflugspunkte, wenn es um den Besuch einer Fjällstation geht. Kein Wunder, die Berghütten liegen superschön am Fuße des höchsten schwedischen Berges, dem Kebnekaise (2117m üNN). Beides zusammen ergibt für mich eine perfekte Piste, zumindest für die ersten 19 Kilometer. So weit ist es von Nikkaluokta bis zur Kebnekaise Fjällstation. Auf dieser Strecke kommt man ungleich besser vorwärts als z. B. im Sarek-Nationalpark, wo unser Tagespensum zwischen 12 und 18 Kilometern lag.

Die Pulka (der Schlitten, den ich hinter mir herziehe) ist ungemein schwer, unvernünftig schwer eigentlich, ich habe viel unnützes Zeug dabei, wie z. B. ein schweres, dafür gemütliches Kopfkissen – ähäm…, aber auch nützes Zeug wie die Fotoausrüstung, die nicht eben wenig wiegt. Ich habe den Schlitten nicht gewogen, das Gewicht wird sich zwischen 50 bis 60kg bewegt haben. Aber dieses Gewicht hinter sich her zu ziehen, ist ungleich leichter, als das Gewicht auf dem Rücken zu tragen, was praktisch unmöglich wäre.

Es geht also auf von Scoutern platt gefahrenem Schnee durch das Láddjuvággi leicht und recht schnell vorwärts, zuerst durch dichten Birkenwald, der sich bald lichtet, da es die ersten knapp über 20 Kilometer leicht bergauf Richtung Baumgrenze geht.
Der Weg führt über den Láddjujávri (ein See). Es ist wolkig geworden, wie das im Wetterbericht vorhergesagt wurde, zum Glück zieht es nicht komplett zu, die Sonne scheint immer wieder durch die Wolken hindurch. Der Wind frischt stark auf und weht in eisigen Böen über den See. Ab und zu überholen mich Schneescouter oder kommen mir entgegen. Vor allem die BeifahrerInnen sehen immer etwas mitgenommen aus. Auf den Geräten muss es unsäglich kalt sein, wenn man dort ganz ohne Bewegung der Kälte und dem Wind ausgesetzt ist. Nachdem ich den See überquert habe, wird die Strecke teilweise sehr eisig, es muss hier oft sehr windig sein, der Schnee wird einfach in tiefere Lagen fortgeweht …

Richtung Kebnekaise Fjällstation rücken die Berge dichter zusammen. Es ist z. T. wolkig, der Kebnekaise (Schwedens höchster Berg, 2117m) selbst bleibt aber den ganzen Tag wolkenfrei und auch sonst treiben die Wolken immer wieder auseinander. Unterwegs mache ich täglich ein bis zwei nicht allzu lange Pausen, etwa 10 bis 15 Minuten. Solange man sich bewegt, bleibt man warm, darf auch nicht zu dick angezogen sein. In der Pause gibt es was Leckeres und Tee, den ich morgens schon gekocht habe. Langsam wird einem während der Pause kalt, dann geht es weiter. Die Kebnekaise Fjällstation liegt bereits knapp über der Baumgrenze auf etwa 650m üNN. Hat man die Bergstation passiert, wird es richtig karg, es geht weiter bergauf.

Als die Kebnekaise Fjällstation bereits einige Kilometer hinter mir liegt, suche ich einen geeigneten Zeltplatz. Etwa um 10.00 Uhr morgens losgegangen, habe ich heute etwas über 24 Kilometer zurückgelegt. Die Nacht legt sich langsam über die Berge, die Täler sind auch so schon dunkel, der Schnee ist hart wie Eis. Überhaupt liegt hier sehr wenig Schnee, alles ist fort geweht. Wäre mir die Gegend nicht aus früheren Jahren schon vertraut, würde ich mir ein wenig Sorgen machen, die Landschaft wirkt bedrohlich.
Ich suche mir einen großen Felsen direkt am Fuße des Doulbagorni, in dessen Lee sich eine große Schneewächte gebildet hat. Zwischen der hart gefrorenen Wächte und dem Felsen ist ein Bereich, fast in der Größe meines Zeltes - schneefrei. Ich hacke das Loch etwas größer, so dass das Zelt genau hineinpasst. So stehe ich auch im Falle eines nächtlichen Sturms windgeschützt. Als das Zelt steht, ist es schon fast dunkel (etwa 18.00 bis 18.30 Uhr), der Mond nimmt zu, die Nacht bleibt ruhig …